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Ausstellung
WALDEN
kunstGarten beteiligt sich mit Digitaldrucken von Edith Temmel. Walden hat sich als eines der einflussreichsten Werke der amerikanischen Literatur etabliert. Schon im 19. Jahrhundert wurde es breit rezipiert und fand – noch vor der Verbreitung marxistischer Theorien – Eingang in viele Arbeiterhaushalte. Im 20. Jahrhundert wirkte Thoreaus Plädoyer für ein einfaches, selbstbestimmtes Leben als Impulsgeber für unterschiedliche gesellschaftliche Bewegungen: Es inspirierte die entstehende Naturschutzbewegung ebenso wie die Protest- und Alternativkulturen der 1960er-Jahre.
Auch international entfaltete das Buch nachhaltige Wirkung. Mahatma Gandhi berief sich ausdrücklich auf Thoreaus Gedanken, insbesondere auf das Ideal des gewaltlosen Widerstands und einer bewusst einfachen, asketischen Lebensführung. Der Psychologe Burrhus Frederic Skinner griff die Anspielung bereits im Titel seines Romans Walden Two auf und entwarf darin das Modell einer gemeinschaftlich organisierten Utopie. Spätere Werke wie Walden Tres von Rubén Ardila oder Walden III von Rolf Todesco beziehen sich vor allem auf Skinners Gesellschaftsentwurf und führen die Idee in jeweils eigener Weise fort.
Angesichts der heutigen Klimakrise erhält Thoreaus Denken neue Aktualität. Seine radikale Reduktion auf das Wesentliche, sein kritischer Blick auf Konsum, Wachstum und Fortschrittsglauben sowie sein respektvolles Verhältnis zur Natur verweisen auf Fragen, die im Kontext des Klimawandels dringlicher denn je erscheinen: Wie viel ist genug? Wie können individuelle Lebensstile und gesellschaftliche Strukturen so verändert werden, dass sie im Einklang mit ökologischen Grenzen stehen? Thoreaus Experiment am Walden-See war kein weltfremder Rückzug, sondern eine bewusste Suche nach Alternativen zu einer Wirtschaft und Lebensweise, die bereits im 19. Jahrhundert auf Expansion und Ressourcenverbrauch setzte.
Besondere Bekanntheit erlangte ein Gedanke aus dem Schlusskapitel des Buches. Thoreau ermutigt dazu, sich nicht dem Gleichschritt der Mehrheit zu unterwerfen: Wer nicht im Takt der anderen marschiert, folgt vielleicht einem eigenen Trommler. Jeder Mensch solle zu der „Musik“ gehen dürfen, die er selbst hört – unabhängig davon, wie ungewohnt ihr Rhythmus sein mag. In Zeiten globaler ökologischer Herausforderungen kann dieser Appell als Einladung verstanden werden, neue Wege zu wagen: zu einem anderen Verständnis von Wohlstand, zu nachhaltigerem Handeln und zu einer Form von Fortschritt, die nicht auf Kosten kommender Generationen geht.
Die in Graz geborene und bis heute dort lebende Künstlerin Edith Temmel (geb. 23. August 1942) arbeitet seit Jahrzehnten als freischaffende Malerin. Erst mit 25 Jahren begann sie intensiv zu malen; geprägt wurde sie in ihren Anfängen von der steirischen Malerin Elga Maly. Entscheidende Impulse erhielt sie zudem in den Malerklausuren von Josef Fink am Minoriten-Kulturzentrum Graz, wo sie internationalen Künstlerpersönlichkeiten begegnete und ihr Verständnis von Malerei vertiefte.
In ihrer frühen Schaffensphase widmete sich Temmel vor allem biblischen Themen. Es entstanden umfangreiche Zyklen zum Alten Testament sowie großformatige Glasfenster und kirchliche Auftragsarbeiten. Ihre Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland präsentiert, unter anderem in Wien, Darmstadt, Osnabrück, Tel Aviv, Marburg und Brüssel.
Eine besondere Wendung nahm ihr Werk vor über fünfzig Jahren, als sie bemerkte, dass sie beim Hören von Musik Farben wahrnimmt – ein Phänomen, das als Synästhesie bezeichnet wird. Was für manche Menschen irritierend sein kann, wurde für Temmel zu einer schöpferischen Quelle. Seither entstehen ihre Bilder häufig im unmittelbaren Hören von Musik: zu Vivaldi, Bach oder Chopin ebenso wie zu Jazz. Ihre Malerei ist dabei keine Illustration, sondern eine Simultan-Übersetzung von Klang in Farbe, Rhythmus in Bewegung, musikalischer Struktur in Bildkomposition.
In ihrer künstlerischen Auseinandersetzung mit Walden verbindet Edith Temmel diese synästhetische Arbeitsweise mit der geistigen Dimension von Thoreaus Text. Wie Thoreau den „eigenen Trommler“ beschwört, folgt auch Temmel einem inneren Klang. Natur wird in ihren Bildern nicht naturalistisch dargestellt, sondern als Schwingung, als energetisches Feld von Farben und Rhythmen, Schriftzeichen erfahrbar gemacht. Die Stille des Walden-Sees, das Wechselspiel der Jahreszeiten und die Konzentration auf das Wesentliche übersetzt sie in vielschichtige Farbräume, die zwischen Transparenz und Verdichtung oszillieren.
So wird Walden bei Temmel nicht zur Illustration eines literarischen Werks, sondern zur malerischen Reflexion über Einklang – zwischen Mensch und Natur, Wahrnehmung und Welt, Klang und Farbe. Ihre Arbeiten eröffnen damit eine sinnliche Annäherung an Thoreaus Gedanken und aktualisieren sie in einer Bildsprache, die innere Wahrnehmung und ökologische Sensibilität miteinander verbindet.
15. März 2026, 11 - 13 Uhr
Veranstaltungsort
kunstGarten
Payer-Weyprecht-Str. 27
8020 Graz, Europa
Österreich
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Veranstaltet von
kunstGarten
Beteiligte Künstler:innen
Edith Temmel
Ansprechpartner:in
Irmi Horn
E-Mail: kunstGarten(at)mur.at
Telefon: +43316262787
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